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Der heisse Sommer 2026 belastete nicht nur Natur und Landwirtschaft, sondern die gesamte Schweizer Wirtschaft. Der Schweizerischen Städteverband liess das ETH-Modell zur Auswirkung von Hitze auf die Arbeitsproduktivität mit den aktuellen Messdaten überarbeiten und es zeigt: Durch die Hitze resultierte in den Monaten Juni bis August ein hitzebedingter Arbeitsproduktivitätsverlust von 2,1 Milliarden Franken. Besonders stark betroffen sind die Städte und die Agglomerationen.
Der Sommer 2026 war heiss. Zahlreiche Tropennächte und Hitzetage belasteten die Schweiz. Die Folgen der hohen Temperaturen sind nicht nur verheerend für die Landwirtschaft und Natur. Sie betreffen auch die Leistungsfähigkeit der Menschen und damit die wirtschaftliche Wertschöpfung. Der Produktivitätsverlust entsteht unter anderem dadurch, dass Menschen bei hoher Wärme schlechter schlafen, schneller ermüden und langsamer denken und arbeiten. Wie gross diese Auswirkungen auf die Wirtschaft sind, hat der Schweizerische Städteverband für den Sommer 2026 berechnen lassen. Mit dem Modell der ETH Zürich zur Auswirkung von Hitze auf die Arbeitsproduktivität von 2022 hat EBP die tatsächlich gemessenen Temperaturen von MeteoSchweiz für Juni bis August 2026 gerechnet. Die Zahlen sind beeindruckend.
Für die gesamte Schweiz ergibt sich für die Sommermonate 2026 ein hitzebedingter Arbeitsproduktivitätsverlust von 2,088 Milliarden Franken (Median). Gemessen an der gesamten Arbeitsleistung der Sommermonate von 135,5 Milliarden Franken entspricht dies einem Verlust von 1,54 Prozent. Zum Vergleich: Die zugrunde liegende ETH-Studie weist für einen durchschnittlichen Sommer hitzebedingte Arbeitsproduktivitätsverluste von rund 665 Millionen Franken aus. Der für 2026 berechnete Median liegt damit beim rund Dreifachen dieses Referenzwerts.
Städte besonders exponiert
Besonders betroffen sind die Städte und Agglomerationen. In den 172 statistischen Städten summiert sich der geschätzte Produktivitätsverlust auf 1,3 Milliarden Franken oder rund 1,5 Prozent der dort normalerweise erbrachten Sommerarbeitsleistung. Anders ausgedrückt: 62% des Gesamtverlustes sind in den Städten angefallen.
Die absoluten Verluste sind vor allem dort hoch, wo viele Menschen arbeiten und entsprechend viel wirtschaftliche Leistung konzentriert ist. Unter den 15 Städten mit den höchsten absoluten Verlusten befinden sich deshalb die grossen Schweizer Städte. Besonders hohe Verlustquoten zeigen sich in Agglomerationsstädten wie Vernier oder Pratteln. Betroffen ist aber die ganze Schweiz: Alle Kantone verzeichnen hitzebedingte Produktivitätsverluste. Prozentual ist Basel-Landschaft am stärksten betroffen. Bei den absoluten Beträgen folgen die Verluste weitgehend der jeweiligen Wirtschaftsgrösse. Entsprechend weist Zürich den höchsten absoluten Verlust aus. Dies hat Folgen für die Standortattraktivität und kommt einer Wettbewerbseinbusse gleich.
Kaum erfasste Daten
Die berechneten 2,1 Milliarden Franken bilden nur den Produktivitätsverlust bei arbeitenden Menschen ab. Nicht berücksichtigt sind der Ausfall von Infrastruktur oder weitere wirtschaftliche Auswirkungen wie früh-zeitiger Todesfälle. Zwischen Juni und August 2026 starben nach den vorliegenden Angaben 640 Menschen mehr als statistisch zu erwarten gewesen wäre.
Die wirtschaftliche Dimension des Klimawandels wird für die Schweiz bislang nur begrenzt systematisch erfasst. Eine Klima-Risikometrik projiziert für die Jahre 2030 bis 2035 ohne zusätzliche Anpassung einen Verlust von 7,32 Prozent der Wirtschaftsleistung durch verschiedene Klimarisiken wie Hitze, Hochwasser, Starkregen, Wind und Trockenheit. Unter Berücksichtigung der bestehenden Anpassungskapazität liegt der entsprechende Wert bei 5,31 Prozent. Bezogen auf ein jährliches Bruttoinlandprodukt von rund 850 Milliarden Franken entspricht dies rund 62 beziehungsweise 45 Milliarden Franken. Die Differenz von rund 17 Milliarden Franken zeigt, was Anpassung heute bereits leistet – und was ohne sie auf dem Spiel stünde.
Hitze als Priorität angehen
Die Städte setzen seit Jahren Massnahmen für Klimaschutz und Klimaanpassung um. Denn sie sind besonders stark mit den Folgen von Hitze betroffen. Ende Sommer 2026 forderten die Städte deshalb, Hitze als Naturgefahr anzuerkennen und als Verbundaufgabe von Bund, Kantonen und Gemeinden gemeinsam anzugehen. Die Städte leisten vor Ort einen wesentlichen Beitrag zur Bewältigung der Folgen. Sie brauchen aber robuste gemeinsame Grundlagen, koordiniert erarbeitet von allen drei Staatsebenen, sowie mehr Handlungsspielraum und bessere Rahmenbedingungen.