News
Städte spüren die Folgen der zunehmenden Hitze besonders stark. Mit direkten Massnahmen gegen die Hitze und einem zukunftsorientierten Klimaschutz versuchen sie, den Folgen des Klimawandels vor Ort entgegenzuwirken. Doch die anderen Staatsebenen lassen die Städte dabei weitgehend allein.
Der Hitzesommer 2026 hat in der Schweiz Rekorde aufgestellt: Zahlreiche Meteo-Stationen verzeichneten Allzeithochs und eine Rekordanzahl an Tropennächten. Die Station Basel/Binningen registrierte am 30. Juli mit 39,7 °C die höchste je gemessene Temperatur auf der Alpennordseite (watson.ch, 06.08.2026). Um der starken Hitze in städtischen Wärmeinseln entgegenzuwirken, ergreifen Schweizer Städte bauliche Anpassungsmassnahmen (tio.ch, 02.08.2026). Zürich investiert bis 2035 rund 130 Millionen Franken in Baumpflanzungen, Fassadenbegrünungen und Schwammstadt-Viertel mit Regenwassersammlungen (Berner Zeitung, 03.08.2026; tio.ch, 02.08.2026). Damit folgen die Städte Erkenntnissen aus der Klimaforschung: Entsiegelte Böden können Regenwasser aufnehmen und kühlen durch Gesamtverdunstung, Evapotranspiration, während Bäume Schatten spenden und über Verdunstung zur Kühlung beitragen (Le Temps, 22.08.2026). Als kurzfristige Massnahme stellt Zürich Plakate auf, die auf schattige Orte und Brunnen hinweisen (bz Zeitung für die Region Basel, 18.08.2026).
Auch Basel setzt auf das Schwammstadt-Prinzip: Die Stadt bricht Asphaltflächen wie den Voltaplatz auf und pflanzt über 1100 zusätzliche Bäume (Zürcher Oberländer, 03.08.2026). Wie eng Stadtklima und Stadtplanung zusammenhängen, zeigt die Warnung von Raumplaner Martin Berchtold: Eine übermässige Unterbauung durch Tiefgaragen, Keller und unterirdische Bahnhöfe entzieht dem Boden seine , trocknet ihn aus und erschwert das Pflanzen grosser, schattenspendender Bäume. Er plädiert deshalb für vertikale statt horizontale Verdichtung (Berner Zeitung, 03.08.2026).
Auch beim Gebäudedesign rücken passive Lösungen in den Fokus: Fachleute fordern, Gebäude nicht mehr anhand historischer Klimadaten zu planen. Erdregister, natürliche Materialien wie Lehm oder Hanfbeton und begrünte Fassaden sollen helfen, um Gebäude künftig besser gegen Hitze zu schützen (Le Temps, 22.08.2026). Das Fassadensystem «GreenBrick» etwa kombiniert Tonziegel mit Moosen und Farnen und kann die Umgebungstemperatur um bis zu vier Grad senken (Luzerner Zeitung, 07.08.2026).
Die Stadt Luzern verankert Begrünungs- und Entsiegelungspflichten im Bau- und Zonenreglement, begrünt Plätze temporär und stellt eine Karte mit kühlen Orten wie Kirchen oder Museen zur Verfügung (Zürcher Oberländer, 03.08.2026). Genf setzt bei aktiviertem Hitzeplan auf tägliche Kontrollanrufe bei Senioren, freien Schwimmbadeintritt und klimatisierte Kinos und erprobt einen modular beschatteten Fussgängerpfad (bz Zeitung für die Region Basel, 18.08.2026; Le Temps, 22.08.2026). Bellinzona verfolgt eine Strategie für das urbane Grün bis 2040 und hat sechs Hitzeinseln für eine Aufwertung identifiziert (laRegione, 24.08.2026). Andere Städte wie Zug und Baden setzen stärker auf Information, Eigenverantwortung und Nachbarschaftshilfe (bz Zeitung für die Region Basel, 18.08.2026).
Kommentar: Lucas Girardet, Direktion Stadtplanung und Umwelt (DUE), Pully
Die Schweizer Städte haben nicht auf den Hitzesommer 2026 gewartet, um im Hitzeschutz aktiv zu werden. In Pully veranschaulicht die kommunale Strategie «Lebendiges Netzwerk» diese Vorreiterrolle. Sie verfolgt das Ziel, die Biodiversität zu erhalten und stärken und gleichzeitig die Lebensqualität im Gemeindegebiet zu verbessern. Ähnlich wie Infrastruktur-Netzwerke, die für das Funktionieren einer Stadt unerlässlich sind – etwa Wasser, Strom oder Strassen – bilden ökologische Netzwerke Strukturen ab, die es der Natur ermöglichen, sich innerhalb der Stadt zu entwickeln und auszubreiten. Verschiedene ökologische Korridore – beispielsweise grüne und blaue – verbinden sich dabei zu einem «lebendigen Netzwerk». Der braune Korridor widmet sich beispielsweise den entsiegelten Böden und ist durch die Vorgabe, bei Bauprojekten 50 % der Fläche unversiegelt zu erhalten, auch rechtlich verankert. Das Netzwerk beschränkt sich dabei nicht auf rein ökologische Aspekte, sondern bildet mit dem violetten Korridor auch öffentliche Räume und das menschliche Wohlbefinden ab. Damit wird der Mensch als integraler Bestandteil des ökologischen Systems verstanden und nicht mehr lediglich als dessen Profiteur.
Diese Zielsetzungen stossen jedoch auf Lücken bei der kantonalen Förderung. So werden konkrete Massnahmen zur Umsetzung des Schwammstadtprinzips, etwa die Anlage von Versickerungsmulden, bislang nicht gezielt finanziell unterstützt. Städte können zwar innovativ und engagiert vorangehen, könnten aber ihr Ziele schneller und umfassender umsetzen, wenn sie dabei unterstützt werden.