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Der Sommer 2026 hat gezeigt, auf was sich die Schweizer Städte gefasst machen müssen: Hitze. Die Städte setzen seit Jahren eine ambitionierte Klimaschutzpolitik um und federn mit lokalen Massnahmen die negativen Folgen des Klimawandels ab. Conradin Cramer, Regierungspräsident von Basel-Stadt zeigt auf, wie seine Stadt sich nicht mit Anpassungsmassnahmen an den Klimawandel begnügt, sondern auch Klimaschutz betreibt. Der Stadtamman Elias Moussa von Freiburg, erklärt im Interview, wie ein kommunaler Klimaplan dabei hilft, die diversen Massnahmen der Anpassung an den Klimawandel nach und nach in die Projekte der Stadt zu integrieren. Und Ana Maria Vicedo-Cabrera, ausserordentliche Professorin für Klimafolgen und öffentliche Gesundheit an der Universität Bern spricht über die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels und was die Städte tun können, um insbesondere ältere Menschen, chronisch Kranke oder Schwangere zu schützen.
Das Positionspapier «Erfolgreiche Klimaanpassungspolitik – wie gelingt die klimaangepasste Stadt?» des Städteverbands zeigt auf, wie Städte ihre Bevölkerung vor den Folgen des Klimawandels schützen können und welche Rahmenbedingungen sie dafür brauchen.
Wir wünschen Ihnen eine gute Lektüre und viel Vergnügen mit dieser Ausgabe von focus zur Anpassung der Städte an den Klimawandel.
Basel stärkt seine Klimaresilienz
Das Klima erwärmt sich und die Schweiz ist überdurchschnittlich betroffen. Wir müssen uns auf mehr Hitze, trockenere Sommer, häufigere Starkniederschläge und schneeärmere Winter einstellen. Das zeigen die Klimaszenarien des Bundes (Klima CH2025). Städte sind von der Erwärmung besonders stark betroffen. Dicht bebaute Quartiere, versiegelte Flächen und wenig Grün verstärken die Hitzebelastung. Beton und Asphalt speichern Wärme, die sie in der Nacht abgeben. In Basel spüren wir das vor allem in den Tropennächten, die zunehmen und die Schlafqualität beeinflussen. Wenig Schlaf kann die Gesundheit belasten. Da möchten wir dagegenhalten. Auch die Hitze tagsüber wirkt sich direkt auf die Leistungsfähigkeit und Konzentration der Menschen aus. Klimaresilienz bedeutet daher auch, dass Städte weiterhin attraktive Wirtschafts- und Innovationszentren bleiben. Deshalb entsiegeln wir beispielsweise gezielt Flächen im öffentlichen Raum und begrünen, wo immer möglich. So nimmt die Anzahl der Bäume in Basel kontinuierlich zu. Von 2020 bis 2025 haben wir insgesamt 1’147 zusätzliche Bäume gepflanzt.
Auch weitere Extremwetterphänomene wie starker Regen, Hagel oder Stürme können Schäden verursachen, Betriebsabläufe unterbrechen und Infrastrukturen belasten. Basels Stärke liegt dabei in der Exzellenz seiner Akteure und in der engen Zusammenarbeit, mit der wir unsere Stadt und Region klimaresilient weiterentwickeln.
Basel ist ein global vernetzter Wirtschafts-, Wissenschafts- und Innovationsstandort. Für Unternehmen mit internationalen Lieferketten sind zudem nicht nur lokale, sondern auch klimabedingte Risiken in anderen Weltregionen relevant.
Basel kann zwar nicht in anderen Weltregionen gegen die Auswirkungen des Klimawandels kämpfen, trifft aber lokal auf zwei Ebenen Massnahmen gegen diese Auswirkungen: Mit der Klimaschutzstrategie «Netto-Null 2037» und 64 Massnahmen wollen wir die Treibhausgasemissionen senken und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dazu gehören unter anderem der Ausbau des öffentlichen Verkehrs sowie die Förderung energetischer Sanierungen von Gebäuden. Mit dem Stadtklimakonzept sieht Basel zudem verschiedene Massnahmen der Klimaadaption vor. Zum Beispiel durch mehr Grün, mehr Schatten, weniger versiegelte Flächen, bessere Durchlüftung und ein sorgsamer Umgang mit Wasser. Am Voltaplatz wird dieser Ansatz konkret: Rund 670 Quadratmeter Asphalt wurden aufgebrochen, 12 neue Pflanzrabatte angelegt, schwache Bäume durch zukunftsfähigere Exemplare ersetzt und schattige Sitzgelegenheiten geschaffen. Damit wollen wir unsere Stadt nicht nur an die veränderten Voraussetzungen anpassen, sondern die hohe Lebensqualität noch verbessern. Wichtig ist, dass wir als Städte und in der gesamten Gesellschaft Klimaschutz und Klimaanpassung zusammen denken.
Dr. Conradin Cramer ist seit 2017 Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt sowie seit 2024 Regierungspräsident.
«Im öffentlichen Raum erfordert die Anpassung einen ganzheitlichen Ansatz»
Das Klima erwärmt sich. Welche Herausforderungen erwarten die Schweizer Städte und insbesondere Freiburg?
Die Klimaerwärmung setzt die Schweizer Städte häufigeren Hitzewellen, Starkregen, Trockenheit und einem Druck auf die Artenvielfalt aus. In Freiburg stellt sich die Herausforderung, die Gesundheit und den Komfort der Bevölkerung sowie die Attraktivität der Stadt zu erhalten und gleichzeitig die Zahl der Wärmeinseln zu reduzieren sowie die Resilienz der Quartiere zu stärken. Dabei spielt die grüne Lunge der Stadt, die Saane, eine ebenso wichtige Rolle wie verschiedene Massnahmen zur Schaffung kühler Rückzugsorte im öffentlichen Raum (sogenannte «Frischeinseln»)
Welche Massnahmen gibt es im öffentlichen Raum, um die Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Stadt zu erhalten?
Im öffentlichen Raum erfordert die Anpassung einen ganzheitlichen Ansatz: Begrünung (auf allen Ebenen), Schaffung von Schatten, mehr Durchlässigkeit der Böden, eine direkt vor Ort erfolgende Regenwasserbewirtschaftung, die Installation von Trinkbrunnen, die Wahl von Materialien, die dem Klimakomfort dienen, sowie die Einrichtung leicht zugänglicher kühler Aufenthaltsorte. In der Stadt Freiburg werden punktuell Übergangsmassnahmen entwickelt, die eine rasche Verbesserung der Qualität des öffentlichen Raums ermöglichen, bis es zu einer nachhaltigeren Neugestaltung kommt. Bei diesen Neugestaltungsprojekten beginnt die Stadt, den SNBS-Infrastruktur (ein Standard für nachhaltiges Bauen) zu integrieren, mit dem Ziel, nachhaltiger zu bauen. Die wichtigsten Ziele bei der Gestaltung öffentlicher Räume sind in Freiburg dabei die Reduzierung von Wärmeinseln,die Förderung der Biodiversität und der Barrierefreiheit für alle
Welche Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel plant Freiburg?
Freiburgs Klimaplan sieht zehn Massnahmen vor, darunter die Förderung einer resilienten Begrünung, die Schaffung von Frischeinseln, die Bekämpfung von Wärmeinseln, ein Wassermanagement nach dem Vorbild der «Schwammstadt», den Schutz der natürlichen Ressourcen und ein Monitoring der Risiken. Die Umsetzung dieser Massnahmen wird schrittweise in die Projekte, die Stadtplanung und die Infrastrukturen der Stadt integriert. Ausserdem haben wir ein internes Instrument entwickelt, um die Auswirkungen des Klimawandels auf das Gemeindegebiet regelmässig auszuwerten und die notwendigen Prioritäten festzulegen. Dieses Instrument schlägt basierend auf den Klimaprognosen und der Bewertung der lokalen Resilienz für jedes Thema, das für die Stadt relevant ist (z. B. die Gesundheit der Bevölkerung) eine Priorität (schwach, mittel oder hoch) vor. Ein baumbestandener Platz weist beispielsweise eine höhere Resilienz auf als ein Platz ohne Begrünung. Diese Priorisierung soll dazu dienen, die Entscheidungen der Stadt zu lenken und die Ressourcen entsprechend den Prioritäten zuzuweisen.
Die Auswirkungen der Klimaerwärmung sind auch ein soziales Thema. Welche Personen sind in welchem Ausmass stärker betroffen und was unternimmt die Stadt Freiburg in dieser Hinsicht?
Die Auswirkungen der Hitze sind nicht für alle gleich. Ältere Menschen, Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere, kranke und isolierte Menschen sowie Personen, die im Freien arbeiten, sind stärker betroffen. Freiburg verstärkt seinen Hitzeaktionsplan für Senioren, erschliesst kühle Orte, informiert die Bevölkerung und sorgt dafür, dass diese Zufluchtsorte in den Quartieren zugänglich sind. Zum Beispiel können Personen ab 75 Jahren sowie bei Bedarf Rentnerinnen und Rentner während der Hitzewellen Unterstützung in Form von häuslicher Pflege und telefonischer Beratung in Anspruch nehmen
Die Hitze verändert auch unsere Art zu wohnen und zu bauen. Was kann die Stadt in diesem Bereich unternehmen?
Wohnen und Bauen müssen künftig zum Wohlbefinden im Sommer beitragen, ohne dass übermässig viel Energie verbraucht wird: Beschattung, Begrünung, nächtliche Belüftung, geeignete Materialien, wasserdurchlässige Flächen und lokales Wassermanagement. Die Stadt wird durch ihre Projekte, ihre Stadtplanungsvorschriften und den Dialog mit den Bauherren aktiv. Ein Beispiel hierfür sind die kollaborativen Prozesse, die Freiburg zusammen mit den Bauträgern für die Quartierentwicklung umsetzt. Mit solchermassen festgelegten Prozesse lassen sich gemeinsam ehrgeizige Ziele definieren.
Ein zweites Beispiel sind die Einrichtung iterativer Workshops und von Austauschtreffen im Bereich der Baubewilligungen, um Projekte im Sinne der Optimierung und Nachhaltigkeit zu gestalten.
Elias Moussa, 42 Jahre, Rechtsanwalt, Stadtamman von Freiburg, Abgeordneter im Freiburger Grossen Rat, zuständig für Stadtentwicklung und städtische Projekte in der Stadt Freiburg, ehemaliger Vizepräsident der Energie- und klimapolitischen Kommission des Schweizerischen Städteverbands
Klimaresistente Städte – in einer wärmeren Welt leben und sich entfalten
Der Klimawandel ist keine ferne Bedrohung mehr, er verändert die Welt um uns. Die Schweiz ist unmittelbar betroffen: In den letzten Jahren sind die Temperaturen hier um rund 3 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau gestiegen und damit doppelt so stark wie im globalen Durchschnitt. Dies hat zu häufigeren und intensiveren Hitzewellen, Starkregen und trockenen Sommerperioden geführt, mit erheblichen Folgen für Umwelt, Wirtschaft, Landwirtschaft und Gesellschaft.
Prof. Ana Maria Vicedo-Cabrera
Ausserordentliche Professorin für Klimafolgen und öffentliche Gesundheit (Stiftungsprofessur), Universität Bern
Der Klimawandel hat tiefgreifende Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und Wohlbefinden. Klimaveränderungen und extreme Wetterereignisse beeinflussen weltweit die Krankheitslast und verstärken bestehende Gefahren für die öffentliche Gesundheit. Zu nennen sind hier beispielsweise die Zunahme chronischer Krankheiten (z. B. Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen) und die Bekämpfung von Infektionskrankheiten (z. B. Malaria). Ältere Menschen, chronisch Kranke, Personen mit geringen sozioökonomischen Ressourcen, Schwangere und Kinder gehören zu den Gruppen, die besonders anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels sind. Zusätzlich zur fortschreitenden Erwärmung verstärken gesellschaftliche Herausforderungen wie soziale Ungleichheiten, die Alterung der Bevölkerung und die zunehmende Urbanisierung bereits jetzt die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels. Gegenwärtige Entwicklungen beim Bevölkerungswachstum, eine höhere Lebenserwartung, die Chronifizierung von Krankheiten sowie die Alterung der Bevölkerung werden zu einer steigenden Zahl gebrechlicher Personen führen, was eine erheblich höhere Krankheitslast und eine stärkere Belastung des Gesundheitssystems zur Folge hat. Städte gelten als Hotspots für eine Zunahme gesundheitlicher Auswirkungen des Klimawandels. Eine Stadt kann wie ein Ofen wirken, indem sie die Wärme tagsüber speichert und nachts wieder abgibt, was als städtischer Wärmeinseleffekt bezeichnet wird. In städtischen Gebieten konzentrieren sich ausserdem sozioökonomische Ungleichheiten, welche die Auswirkungen des Klimawandels noch verstärken.
Die Städte stehen somit zwar vor wachsenden klimatischen und gesundheitlichen Herausforderungen, bieten aber zugleich auch einzigartige Möglichkeiten, die Folgen des Klimawandels zu mindern. Gezielte Anpassungsmassnahmen in Städten würden einem grossen Teil der Bevölkerung zugutekommen, da fast drei Viertel der Schweizer Bevölkerung in städtischen Gebieten leben. Zudem stellen städtische Gesellschaften hervorragende Plattformen für die Verbesserung der Gesundheit dar, da klimafreundliche städtebauliche Strategien zusätzliche gesundheitliche Vorteile bieten könnten. So würde beispielsweise die Schaffung grüner Infrastruktur zur Eindämmung der städtischen Überhitzung auch dazu beitragen, die psychische Gesundheit zu erhalten, die körperliche Aktivität zu fördern und die Herz-Kreislauf-Gesundheit zu verbessern. Des Weiteren könnte die Nutzung öffentlicher gekühlter Räume während Hitzewellen (sogenannte Klimaschutzräume) den Zusammenhalt in der Gemeinschaft stärken und soziale Isolation verringern, ganz besonders unter älteren Menschen.
Städtische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sowie Planerinnen und Planer spielen eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung von klimaresistenten Gemeinschaften, Infrastrukturen und politischen Massnahmen. Strategien zur Erreichung von Klimaresistenz in den Städten sollten jedoch gemeinsam von den wichtigsten Akteurinnen und Akteuren verschiedener Sektoren (z. B. Stadtplanerinnen und Stadtplaner, Fachleute im Verkehrswesen, Fachkräfte im öffentlichen Gesundheitswesen) sowie von politischen und nichtpolitischen Stakeholdern entwickelt werden. Das Schwammstadt-Projekt an der Optingerstrasse in Bern ist eines der jüngsten Beispiele für eine erfolgreiche sektorübergreifende Zusammenarbeit zur Verringerung des städtischen Wärmeinseleffekts. Diese Initiative führte lokale Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, den privaten Sektor (durch Mitwirkung der Mobiliar), die Forschungsgemeinschaft und die lokale Bevölkerung zusammen. Durch die effektive Einbindung aller wichtigen Akteurinnen und Akteure in die gemeinsame Entwicklung von Anpassungsmassnahmen stellen wir sicher, dass diese auf die lokalen Gegebenheiten zugeschnitten sind. Ausserdem ist eine effiziente Koordination und Kommunikation zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und städtischen Stakeholdern durch gemeinsame Forschungsarbeit entscheidend, um wirkungsvolle Forschungsergebnisse zu gewährleisten. Bei diesem Beispiel leiten Forschende der Universität Bern das Pilotprojekt «Wohlfühl-Monitoring Optingerstrasse», das zum Ziel hat, mittels einer mobilen App zu untersuchen, ob und wie städtische Anpassungsmassnahmen nach dem Schwammstadt-Prinzip das Wohlbefinden der Anwohnerinnen und Anwohner beeinflussen. Citizen Science-Aktivitäten wie diese können dazu beitragen, die Risikokommunikation zu verbessern, die Selbstermächtigung zu stärken und die Bildung der Gemeinschaft zu fördern. Schliesslich können solche Praxisbeispiele städtischer Gesundheitsmassnahmen Veränderungen anregen und zum Handeln inspirieren. Denn der Klimawandel wird unsere Gesellschaft weiterhin zusätzlich belasten, und es liegt in unserer Verantwortung, zu Lösungen beizutragen, um die Gesundheit und das Wohlbefinden künftiger Generationen zu schützen.