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Am Städtetag 2026 in Bellinzona wurde die Resolution «Gemeinsam für die Schweiz» verabschiedet. Sie ist sowohl ein deutliches Zeichen gegen die Polarisierung in Politik und Medien als auch das Abbild der täglich gelebten Zusammenarbeit in den Städten, Stadtregionen und Agglomerationen.
Es war ein feierlicher Moment am diesjährigen Städtetag im Teatro Sociale in Bellinzona, als die Delegierten per Akklamation die Resolution «Gemeinsam für die Schweiz» verabschiedeten. Die Resolution betont die Gemeinsamkeiten von urbanen Zentren, Agglomerationen und ländlich geprägten Nachbarregionen. Die Delegierten setzen damit ein Zeichen gegen die zunehmende Polarisierung zwischen urbanen und ländlichen Regionen und deren Instrumentalisierung im politischen Diskurs und in den Medien.
Die grossen Zukunftsaufgaben in den Bereichen Klima, Wohnraum, Mobilität, wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftlicher Zusammenhalt betreffen Städte und Agglomerationen genauso wie die ländlichen Gebiete. Alle diese Bereiche – und einige mehr – sind zentral, wenn es darum geht, die Zukunft zu gestalten, neue Ideen zu entwickeln, Lösungen zu erproben und gemeinsam vorwärtszugehen. Von einem Austausch von Wissen und Erfahrung profitieren alle. So hat die Schweiz seit jeher funktioniert: «Zusammenarbeit ist eine Stärke der Schweiz», lautet der dazu passende Absatz in der Resolution.
Dichte und Vernetzung als Vorteil
In der Mitgliederstruktur des Schweizerischen Städteverbands zeigt sich die Zusammensetzung der urbanen Schweiz. Vertreten sind die grossen Zentren ebenso wie die mittleren und kleineren Städte sowie städtische Gemeinden, nah und fern der Kernstädte. Die Städte und Gemeinden finden zusammen in Stadtregionen, die sowohl statistisch als auch politisch in Agglomerationen vermessen werden und als beispielhafte funktionale Räume des Miteinander bezeichnet werden können. Städte denken und handeln vernetzt – zusammen mit ihren Nachbarinnen.
Das konkrete und lange etablierte gemeinsame Wirken und Anpacken von Herausforderungen in diesen Stadtregionen passt so gar nicht zu dem medial und politisch inszenierten Stadt-Land-Gegensatz. «Stadt und Land sind aufeinander angewiesen», heisst es in der Resolution der Städte «Gemeinsam für die Schweiz»; Arbeitsmärkte, Verkehrssysteme, Bildungs- und Kulturangebote, Versorgung und Erholung und viele persönliche Beziehungen verbinden Stadt- und Landregionen ständig und auf vielfältige Weise miteinander. Dabei zeigt sich, dass Dichte gerade im Sinne eines klug geplanten engen Netzes ein Vorteil ist, aus dem Stärke erwächst. Diese Vernetzung an Menschen, Güter, Wissen und Interaktionen eröffnet mehr Möglichkeiten. Grössere Herausforderungen Schritt für Schritt anzupacken und Lösungen zu finden, gelingt in einem solchen Verbund.
Mitunter ist dieses gemeinsame Handeln so selbstverständlich, dass es in dem medial und politisch laut vorgetragenen Wehklagen untergeht. Deshalb müssen diese Erfolgsgeschichten erzählt werden, von den Involvierten und am konkreten Beispiel:
Gemeinschaftsprojekte vorstellen und voneinander lernen
Aarau und die Stadtregion erleben zurzeit eine dynamische Wachstums- und Transformationsphase. Dass die Stadt für diese Herausforderungen gut aufgestellt ist, machte eine gemeinsam mit dem Städteverband durchgeführte Veranstaltung im September deutlich. Gut funktionierende Zusammenarbeit in der Stadtplanung beginnt bei der einzelnen Parzelle oder dem Areal: Die Stadt entwickelte mit privaten Grundeigentümern Ideen und Regeln für die Zukunft des Areals Telli Ost. Beide Seiten mussten zuweilen über den eigenen Schatten springen, aber nur so war ein solches Ergebnis mit regionaler Ausstrahlung möglich.
Im öffentlichen Raum richtet die Stadt Aarau in enger Koordination mit dem Kanton Aargau Schritt für Schritt ein verbessertes Verkehrsregime ein. Dabei etablierte sich Tempo-30 auf der zentralen Kantonsstrasse und bestand mit Bravour das Effizienzmonitoring. Das Resultat ist ein Miteinander von Menschen zu Fuss, auf dem Velo, Autofahrern und Bus-Chauffeurinnen.
Über die Gemeindegrenzen hinaus werden in der aarau regio überkommunale raum- und verkehrsplanerische Projekte koordiniert. Als Beispiel hierfür bietet sich die Realisierung der Traglufthalle im Schwimmbad Suhr an. Schwimmerinnen und Schwimmer aus der ganzen Region können dank der engen Zusammenarbeit der Gemeinden auch im Winter ihrem Hobby nachgehen oder das Training aufrechterhalten.
Einblick in funktionierende Praxis: Regionale Ökonomie
Einen anderen Bereich betrifft ein laufendes Projekt in Biel. Die Stadt verpflegt Kinder in 14 Tagesschulen,6 städtischen Kitas sowie Bewohnerinnen und Bewohner eines Alterszentrums im Verbund mit der Förderung biologischer Landwirtschaft in der Region. Angestossen von einer Volksinitiative, werden inzwischen unter dem Label «Gesunde Ernährung» rund 380’000 Mahlzeiten in einer zentralen Küche zubereitet – mit möglichst vielen Bio-Produkten aus der Nähe. Die Bieler Lösung weckt in Fachkreisen und bei anderen Städten viel Interesse. Der Bund unterstützt sie im Rahmen der Modellvorhaben «Nachhaltige Raumentwicklung 2025-2030». Dabei trifft das Gemeinsame die nachhaltige Ernährung, regionale Ökonomie und das kulinarische Wohlbefinden von Jung und Alt.
Verhandlung bringt Pionierleistung der Kulturförderung
Ein Blick nach Luzern offenbart das Potenzial von Kultur, Menschen weit über die Stadt hinaus zusammenzubringen. Die solidarische Kulturförderung in der Stadtregion Luzern ist eine schweizweite Pionierleistung und seit einigen Jahrzehnten fest verankert. Von einem gemeinsam geäufneten Fonds zur Förderung von Kulturinstitutionen, Festivals und Projekten profitieren Kulturschaffende in der ganzen Region. Neben der Weltklasse auf den grossen Bühnen wie dem KKL blüht dank der solidarischen Förderung auch eine lebendige freie und alternative Kulturszene in und um Luzern.
Die beschriebenen Beispiele zeigen nur einen kleinen Ausschnitt aus der in der ganzen Schweiz täglich gelebten Realität des gemeinsamen Handelns. Um der Resolution der Städte «Gemeinsam für die Schweiz» Nachdruck zu verleihen, unterstützt der Schweizerische Städteverband seine Mitglieder dabei, bestehende Kooperationen bekanntzumachen, neue Formate auszuprobieren, neue Projekte anzustossen und Erfahrungen zu zeigen und auszutauschen.