Die Städte in den Medien – Städte setzen sich ein für Menschen in Not
Um Menschen in schwierigen Lebenslagen zu unterstützen, entwickeln Städte diverse Massnahmen, die auf Schutz und Prävention ausgerichtet sind. Im Januar haben beispielsweise die Städte Genf und Vevey angesichts des winterlichen Temperatursturzes ihre Hilfsangebote durch die Aktivierung der Kältestrategie «Plan Grand Froid» mobilisiert, einschliesslich der Öffnung von Zivilschutzanlagen und der Verstärkung der nächtlichen Patrouillen. In Genf konnten dank dieser Massnahme bis zu 96 Personen pro Nacht in zwei Zivilschutzanlagen untergebracht werden. Es standen sogar spezielle Schlafsäle für Familien zur Verfügung, wobei die Nachfrage nach diesen gering blieb. Um diese strukturelle Unterstützung dauerhaft zu sichern, hat der Genfer Gemeindeverband für das Jahr 2026 ein Budget von 23 Millionen Franken für Notunterkünfte verabschiedet (Tribune de Genève, 13.01.2026; Radio Chablais, 08.01.2026). Ergänzend zu reaktiven Massnahmen hat die Gemeinde Horgen im Sinne der Nachhaltigkeit und Integration mit dem Bau von drei dezentralen Unterkünften aus Holz für Asylsuchende begonnen. Im Gegensatz zu den temporären Notlösungen in Zivilschutzanlagen sind diese dauerhaften Gebäude so konzipiert, dass sie insgesamt 148 Personen aufnehmen können, ohne dass es zu einer Konzentration in einem einzigen Quartier kommt. Gleichzeitig bleibt die nötige Flexibilität gewahrt: Die Gebäude können später je nach den sich ändernden Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung in Sozialwohnungen oder Kindergärten umgewandelt werden (Tages-Anzeiger, 27.01.2026).
Im Bereich der Gewaltprävention und Personensicherheit setzen die Städte auf Sensibilisierung und eine Beteiligung der Bevölkerung. In Zürich hat die Stadtregierung die Plattform «Zürich schaut hin» etabliert, über welche Belästigungen und ungebührliches Verhalten im öffentlichen Raum anonym gemeldet werden können, um die Sicherheit und Inklusion im Strassenraum zu stärken (Radio SRF 2, 26.01.2026) – ein Ansatz, den beispielsweise auch Luzern mit einem vergleichbaren Instrument verfolgten. Einen ähnlichen Ansatz von Sensibilisierung und Beteiligung verfolgt die Stadt Biel, die im Quartier Mett ihr Pilotprojekt «Tür an Tür» vorgestellt hat, das von einer ähnlichen Initiative in Bern inspiriert ist. Dieses kürzlich gestartete Nachbarschaftsprogramm hat zum Ziel, die Quartierbevölkerung gegen häusliche Gewalt zu mobilisieren, damit diese nicht mehr als Privatsache angesehen wird und die Gesellschaft ihre gemeinsame Verantwortung wahrnimmt (Journal du Jura, 28.01.2026). In Freiburg hat der Generalrat ein Aktionsprogramm mit fünf Schwerpunkten verabschiedet, die vom Kampf gegen Femizide über die Unterstützung von Kindern, die Gewalt ausgesetzt sind, bis hin zum Kampf gegen Belästigungen im öffentlichen Raum reichen. Das Programm sieht eine konsequente Planung der finanziellen und personellen Ressourcen sowie eine verstärkte Koordination zwischen den städtischen Stellen und den Fachverbänden vor. Die Strategie beinhaltet ausserdem die Lancierung von Sensibilisierungskampagnen und die Einrichtung eines Systems für ein jährliches Monitoring, um die Wirksamkeit der Schutzmassnahmen langfristig zu bewerten (Freiburger Nachrichten, 21.01.2026). Schliesslich hat sich die Gemeinde Emmen für einen umfassenderen Ansatz vor Ort entschieden und das Instrument SIP (Sicherheit, Intervention, Prävention) eingeführt, um das friedliche Zusammenleben zu fördern und der gesamten Bevölkerung im städtischen Raum eine Anlaufstelle zu bieten (Luzerner Zeitung, 28.01.2026).
Kommentar: Gabriela Kämpf, Stadträtin von Vevey, zuständig für die Abteilungen Sozialer Zusammenhalt, Bevölkerungsdienste und Nachhaltigkeit
Eine Wohnung ist ein persönlicher Rückzugsort, in dem man sich sicher und eigenständig fühlt. Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt in den Schweizer Städten erschwert jedoch den Zugang zu Wohnraum zunehmend. Die Waadtländer Riviera ist von dieser Problematik besonders betroffen, sodass die Stadt Vevey beschlossen hat, die Vergabe der gemeinnützigen Wohnungen an die Haushalte mit den problematischsten Wohnsituationen zu regeln: ältere Menschen, Familien und vor allem Alleinerziehende. Die Sicherung von Wohnraum sowie die Teilhabe am sozialen Leben und der Zugang zu Informationen und Dienstleistungen beugen vielen unsicheren Lebenslagen vor – von der Prekarität bis hin zu häuslicher Gewalt.
Da jedoch immer mehr Menschen betroffen sind und zu Beginn des Winters im östlichen Waadtland nach wie vor keine Notunterkünfte zur Verfügung standen, hat die Abteilung Sozialer Zusammenhalt die ihr gemäss dem Grundsatz der Subsidiarität obliegende Aufgabe wahrgenommen und eine Notunterkunft eröffnet, in der nun jede Nacht 24 Personen aufgenommen werden.
Unsere Siedlungs- und Wohnungspolitik sieht zudem ein Programm für Übergangswohnungen vor, um Menschen bei der Umsetzung ihrer Lebensentwürfe zu unterstützen. Und durch unsere proaktive Bodenpolitik sowie strategische Ankäufe wird es möglich sein, dem Bedarf gerecht zu werden.
Disclaimer: Mit dem Format «Städte in den Medien» greift der Städteverband ein für die Städte relevantes Thema auf, das die Medien in den letzten Wochen vermehrt behandelten. Der Zusammenfassung liegen die Medienbeiträge in der SSV-Presseschau zugrunde. Eine Stimme aus dem Verband ordnet aus der eigenen Warte ein. Der spezifische Kommentar muss nicht der konsolidierten Verbandsposition entsprechen.
