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Raumkonzept Schweiz – Der Rahmen ist gesetzt für die Umsetzung

23. April 2026 – Das Raumkonzept Schweiz setzt den gemeinsamen Orientierungsrahmen der Raumpolitik für die drei Staatsebenen – nun beginnt die Umsetzung. Städte und Agglomerationen spielen dabei eine Schlüsselrolle: Sie sind die Zentren des Wachstums, die Orte der Transformation und verfügen über die Erfahrung, Wachstum mit hoher Lebensqualität zu verbinden.

Die Schweiz ist im stetigen Wandel – hier mehr, dort weniger sichtbar. Wer auf welche Weise diese Veränderungen beeinflusst und, dass sie in die richtigen Bahnen gelenkt werden, gehört zu einer vorausschauenden Politik. Im Raumkonzept Schweiz finden die raumrelevanten Politiken und Planungen aller drei staatlichen Ebenen einen Orientierungsrahmen und eine Entscheidungshilfe. Erstmals 2012 erarbeitet, wurde das Raumkonzept kürzlich von Bund, Kantonen sowie Städten und Gemeinden gemeinsam aktualisiert und ist damit ein gutes Beispiel für die gelebte tripartite Zusammenarbeit der drei Staatsebenen.

 

Es mag selbstverständlich wirken, ist es aber längst nicht immer: Der Blick auf die ganze Schweiz öffnet die Perspektive. Stadt und Land, die Sprachregionen, die Agglomerationen, die Berggebiete, die Grenzregionen – all das ist die Schweiz und noch viel mehr. Die Leitidee des Raumkonzepts bringt es auf den Punkt: «Die Schweiz ist ein vielfältiges, mehrsprachiges Land. Auch in Zukunft soll sie uns allen Raum bieten, um uns gesellschaftlich und wirtschaftlich zu entfalten und den Wohlstand und den sozialen Zusammenhalt zu erhalten. Unser Handeln ist umweltverträglich und ressourcenschonend. Durch einen sorgsamen Umgang mit dem begrenzten Raum und die Weiterentwicklung bestehender Strukturen bleibt Gutes erhalten und es gibt Platz für Neues.»

 

Gemeinschaftsaufgabe

Die im bisherigen Raumkonzept zu wenig behandelten Themen wie Klima, Energie, Biodiversität und demografischer Wandel halten Einzug in die aktualisierte Fassung. Das ist erfreulich, gehören doch die Sicherung der Lebensgrundlagen und ein qualitätsvolles Lebensumfeld genauso zu den Zielen einer nachhaltigen Raumentwicklung wie etwa Ideen für die bestmögliche Nutzung des vorhandenen Infrastruktur- und Raumangebots unter dem Stichwort «flächeneffiziente Mobilität». Heute verstehen wir, dass die Sektoralpolitiken räumlich wirken und Einfluss nehmen wollen. Daher ist es notwendig, dass verschiedene Formen der Zusammenarbeit zwischen den Staatsebenen, über die politischen Grenzen und die Fachbereiche hinweg erfolgen, um für die komplexen transversalen Fragestellungen gemeinsame Lösungen zu finden und eben zu handeln. Raumentwicklung, soviel ist klar, ist eine Gemeinschaftsaufgabe par excellence.

 

Das aktualisierte Raumkonzept formuliert angehängt an der Leitidee sechs Ziele. Zu den Zielen gehören prominent «Die Schweiz ist nach innen und aussen vernetzt», «Alle Regionen bieten ein qualitätsvolles, identitätsstiftendes Lebensumfeld» oder «Mobilität und Energieversorgung sind effizient, umwelt- und klimaverträglich». Die aus den Zielen abgeleiteten drei Strategien geben die Stossrichtung vor: Kooperation und Vielfalt weiter fördern, die natürlichen Lebensgrundlagen und eine hohe landschaftliche und bauliche Qualität sichern sowie Siedlung, Mobilität und Energie umwelt- und klimagerecht aufeinander abstimmen. In Anschluss an die im Raumkonzept von 2012 formulierte Absicht, wurden für die regionale Konkretisierung der Ziele und Strategien zwölf sogenannte Handlungsräume skizziert. Im aktualisierten Raumkonzept legen sie nun ihre örtlichen Herausforderungen und spezifische Bedürfnisse dar. Spätestens hier wird das Raumkonzept deutlich: Die Rede ist von den Auswirkungen der Klimaerwärmung, vom gesellschaftlichen Zusammenhalt und von der Mobilitätswende.

 

Expertise und Erfahrung

Für die Städte und Agglomerationen, in denen drei Viertel der Schweizer Bevölkerung wohnen und arbeiten, sind diese Themen bereits heute Alltag. Und es ist absehbar, dass sie sich auch in den kommenden 25 Jahren intensiv mit dem Klimawandel, der Wohnraumversorgung, der demografischen Entwicklung, der Mobilität und dem sozialen Zusammenhalt auseinandersetzen werden. In diesen Bereichen müssen sie schnell und aufeinander abgestimmte Antworten finden. Sie haben dafür die Expertise und Erfahrung, gestalten den ständigen Wandel mit und wissen, wie sie vor Ort konkret vorgehen müssen. Sie brauchen dafür allerdings die Rahmenbedingungen und den Spielraum, um selbständig und konkret aktiv und kreativ werden zu können.

 

Die sozial-ökologische und sozial-ökonomische Transformation in Kombination mit der Siedlungsentwicklung nach innen muss auch und vor allem unter den Bedingungen des Mehrwerts für die Gesellschaft umgesetzt werden. Dabei werden die qualitativen räumlichen Aspekte des Wachstums von der städtischen Politik als eine zentrale Grundlage für wirtschaftliche und gesellschaftliche Dynamik, Attraktivität, Innovation und hohe Lebensqualität verstanden. Städte und Agglomerationen sind die Räume, die diese Prozesse in erster Linie ermöglichen oder verhindern. Die Urbanisierung ist ein langfristiger Trend, in der Schweiz wie global. Schweizer Städte haben in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt gezeigt, dass sie diese Entwicklung konstruktiv gestalten können und dabei eine hohe Lebensqualität bewahren.

 

Nach der Erarbeitung des Raumkonzepts beginnt nun die anspruchsvolle gemeinsame Aufgabe der Umsetzung – national, kantonal, in den Handlungsräumen, regional in den Agglomerationen und lokal-spezifisch in den einzelnen Städten und Gemeinden.

 

Bild: Vertreterinnen und Vertreter von Bund, Kantonen sowie Städten und Gemeinden unterzeichneten am 20. April 2026 in Bern das Raumkonzept Schweiz. ©Michelle Gosteli 

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