«Entscheidend ist, dass Städte Raum für Innovation bieten und gleichzeitig ihre Lebensqualität bewahren.»
Der Elisabeth-Müller-Park zeigt, wie stark sich öffentliche Räume verändern können. Unter Raphael Lanz hat die Stadt Thun diesen Raum umgestaltet; er ist nun grüner, biodiverser und lebenswerter. Ein anderes Beispiel für Umgestaltung des öffentlichen Raums ist das Schlossbergparking. Dessen Realisierung ermöglichte laut Lanz die Ausgestaltung der Altstadt als Fussgängerzone. Er betont, dass dies auf einem breiten, politisch sorgfältig ausgehandelten Kompromiss beruhte. Besonders wichtig ist Raphael Lanz die Kommunikation mit der Bevölkerung. Gerade bei komplexen Veränderungsprozessen brauche es Transparenz, Dialog und Einordnung. Die Krise im Lokaljournalismus erschwere diese Aufgabe.
Weiter hat Thun das Verkehrsregime in der Innenstadt grundlegend neu geordnet und zahlreiche Neubauten und Quartierentwicklungen sowie das Fernwärmenetz zeugen von der dynamischen Entwicklung der letzten Jahre.
Doch welche Herausforderungen stellen sich Thun und der urbanen Schweiz in Zukunft? Eine zentrale Schwierigkeit ist der zunehmend knappe Wohnraum. Dabei stellt sich die Frage, wie Thun Wachstum sozialverträglich gestalten und seine Identität vor dem Hintergrund des Tourismus bewahren kann. Raphale Lanz hält fest: «Städte müssen sich weiterentwickeln können, ohne an Lebensqualität einzubüssen.» Darüber hinaus beschäftigen Thun der Klimawandel, der Umbau der Mobilität sowie steigende Anforderungen an Infrastruktur und soziale Angebote. Entscheidend sei laut Lanz, all diese Themen vernetzt zu denken und den Städten genügend Handlungsspielraum zu lassen.
Für Letzteres sei der Städteverband von zentraler Bedeutung: Er ist die Stimme der urbanen Schweiz, ermöglicht den fachlichen Austausch zwischen den Städten und fördert gemeinsame Lösungen. Als Ansprechpartner der nationalen Politik sorgt der Städteverband dafür, dass die städtische Perspektive systematisch in Entscheidungsprozesse einfliesst – wie es die Bundesverfassung vorsieht. Raphael Lanz unterstreicht, dass viele Bundesentscheide die Städte direkt betreffen. Und gerade bei ihnen verleihe der Städteverband den urbanen Anliegen Gewicht und Sichtbarkeit. Er wünscht sich, dass dies auch künftig unideologisch, lösungsorientiert und pragmatisch erfolge.
Wenn Raphael Lanz sich etwas wünschen könnte, dann dass sich die Städte den Herausforderungen ihrer Zeit stellen und sich weiterentwickeln können, ohne ihre Identität zu verlieren. Das gelinge, wenn Städte lebendige Orte zum Leben, Arbeiten und Begegnen bleiben: mit qualitativ hochwertigem Wohnraum, starken Bildungs- und Kulturangeboten, innovativen Arbeitsplätzen und guter Erreichbarkeit. «Entscheidend ist, dass Städte Raum für Innovation bieten und gleichzeitig ihre Lebensqualität bewahren. Attraktiv sind jene Städte, die Offenheit, Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Dynamik miteinander verbinden.» Zudem wünscht sich Lanz, dass Städte und ländlicher Raum nicht als Gegensätze verstanden werden, sondern als aufeinander angewiesene Teile eines gemeinsamen Ganzen, das die Schweiz ausmacht.
Porträtfoto: Stefan Marthaler
